Fakes zu Körpersprache

Fake 1: Wer nach links oben sieht, sagt die Wahrheit, wer nach rechts oben sieht, lügt.
Diese Behauptung wurde nie wissenschaftlich belegt und ist Fake Nr. 1.

Man hat vielmehr festgestellt, dass wir unsere Augen beim Nachdenken sowieso meist bewegen. Sind Ereignisse bereits länger her, kann der Blick auch nach oben wandern. Kann ich mich noch gut an etwas erinnern, kann die Augenbewegung auch kaum merkbar sein. Um feststellen zu können, ob jemand tatsächlich lügt oder die Wahrheit sagt, dazu gehören viel mehr Merkmale als eine einzige Augenbewegung.

 

Fake 2: Wer die Arme verschränkt, ist ablehnend.

Würden wir alle Personen, die je die Arme verschränkt haben als ablehnend bezeichnen, hätten wir kaum noch jemanden mit dem wir uns gerne unterhalten. Verschränkte Arme sind für viele eine bequeme Haltung, gehören zu einem gemütlichen und sicheren Stand, können auf „mir ist jetzt gerade kalt“ hinweisen oder sind eine eingelernte Bewegung bei konzentriertem Zuhören. Wenn Sie also jemanden sehen, der die Arme verschränkt, achten Sie auf weitere ablehnende Merkmale, die diese Person gerade zeigt. Dies kann zB: ein Rümpfen der Nase, ein Augenrollen, ein bewusstes Wegdrehen sein oder sich auch in der Sprache als Ablehnung zeigen. Achten Sie bewusst auf verschiedene körpersprachliche „Cluster“, wenn Sie auf verschränkte Arme treffen. Denn: Die verschränkten Arme alleine sind kein definitiver und alleiniger Hinweis auf Ablehnung.

 

Fake 3: Nur 7 % Ihrer Aussage macht der Inhalt aus.

Das ist aus meiner Sicht der weit verbreitetste Irrtum zur Wirkung einer Botschaft und der Körpersprache. Diese Fehlinterpretation einer Studie des iranisch-amerikanischen Psychologen und Forschers Albert Mehrabian wird leider immer noch auch von gestandenen Körpersprache-Trainer_innen falsch gelehrt. Er wird so interpretiert, dass angeblich nur 7 % des Inhaltes einer Nachricht, Wirkung hat, der Rest also 93 % sei die Wirkung durch Körpersprache und Gestik. Wäre es tatsächlich so, dass nur 7% unserer Aussage Wirkung hätten, bräuchten wir kaum mehr zu einem Vortrag oder in eine Fortbildung gehen. Denn seien Sie ehrlich, gehen Sie in eine Fortbildung, um festzustellen, wie sich die Trainerin oder der Trainer körpersprachlich verhält oder geht es Ihnen nicht doch auch darum, inhaltlich etwas zu erfahren? Würde man Stephen Hawkings Reden und Vorträge nach dieser Formel interpretieren, hätte er uns nicht viel zu sagen gehabt. Denn seine Körpersprache war aus verständlichen Gründen nicht vorhanden, seine Stimme kam vom Computer, Gesten gab es gar nicht. Und doch hatte er immer viel zu sagen und hat uns immer fasziniert und beeindruckt. Mit dieser Studie von Mehrabian geht es um Folgendes: Stellen wir eine Dissonanz, eine Inkongruenz im Gespräch fest, wenn beispielsweise jemand mit einer traurigen Stimme und mit einem gesenkten Blick sagt, dass es ihm gut ginge, dann reagieren wir wesentlich mehr auf Körpersprache, Gestik und Stimme als tatsächlich auf den Inhalt. Und nur so kann diese Studie korrekt interpretiert werden.